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Auf dem Highway 285 von Saguache nach Monte Vista


Colorado by Bike

15.7. - 14.8. 1995

In Richtung Poncha Springs (Highway 285)
 Einleitung

Seit wir einmal einen Fersehbericht über Colorado und seine Pässe gesehen hatten stand für uns fest, dass wir einmal diese hohen Pässe mit dem Fahrrad überqueren würden. Es war uns auch klar, dass ein Vorhaben dieser Art eine gute Vorbereitung erfordert. Bereits im Winter begannen wir mit Kraft- und Ausdauertraining im Fitness-Center. Ab Februar fuhren wir, wenn es das Wetter zuliess auf der Strasse. Das eigentliche Radtraining war allerdings erst ab April möglich. Im Mai weilten wir für 10 Tage in Cesenatico/Italien um weiter Ausdauer zu trainieren. Bis Mitte Juli zum Zeitpunkt unserer Abreise hatten wir beide etwas mehr als 3000 Km in den Beinen. Sicher würde man damit keine Rennen gewinnen, aber eine solide Grundkondition hatten wir damit geschaffen.

15. Juli, Reisetag

Wir hatten bereits am Vortag eingecheckt und weil wir eine Amerikanische Fluggesellschaft gewählt hatten gab es überhaupt keine Gewichtsprobleme. Der Flug ging über Chicago nach Denver, das wir etwa um 17 Uhr Ortszeit erreichten. Wir bauten die Fahrräder zusammen und fuhren anschliessend nach Denver. Als wir am Nachtessen sassen ging ein heftiges Gewitter nieder. Ich dachte bei mir: das fängt ja gut an.

16. Juli, Denver - Colorado Springs, 120 Km 

Das Ziel war Colorado Springs. Die Fahrt dorthin ist nicht besonders spektakulär, insgeheim war ich sogar etwas enttäuscht. Aber die Strecke Denver - Colorado Springs sollte man nicht als Massstab nehmen und man sollte schon gar nicht mit festen Vorstellungen eine Reise beginnen. Die Fahrt zum "Gardens of God" verbesserte meine Stimmung etwas.

17. + 18. Juli, Colorado Springs, 65 Km 

Diese beiden Tage dienten zur Akklimatisierung. Colorado Springs liegt auf 1800 M.ü.M. und die nächsten vier Wochen werden wir kaum je unter 2000 Meter kommen. Viele Pässe führen auf 3000 Meter und mehr. Die Krönung soll der 4300 Meter hohe Mt. Evans sein, nicht etwa mit der Bahn, sondern mit dem Velo! Wir hatten genügend Zeit uns in Colorado Springs und Umgebung umzusehen. Wir besuchten das Olympia Trainingszentrum, wo sich hoffnungsvolle Sportler auf einen Einsatz an der Olympiade vorbereiten. Über zehn verschiedene Disziplinen werden hier trainiert unter anderem Schwimmen, Kunstturnen, Schiessen und auch Radfahren um nur einige zu nennen. Am zweiten Tag fuhren wir mit einer Bergbahn (mit schweizerischer Herkunft) auf den 4300 Meter hohen Pikes Peak. Am Fuss des Berges war schönstes Sommerwetter, auf dem Gipfel war es bitter kalt, kaum 0 Grad mit Graupelschauer! Die warmen Pullover, die wir an der Talstation kauften konnten wir jedenfalls bestens gebrauchen.

19. Juli, Colorado Springs - Lake George, 60 Km 

Die Akklimatisationszeit war nun vorbei. Schon um 7 Uhr sassen wir am Frühstück und konnten es kaum erwarten die erste "richtige" Etappe unter die Räder zu nehmen. Schon kurz nach dem Start begann die 30 Km lange Steigung, die allerdings nie zu steil wurde. Der Ute Pass ist mit seinen 2793 Meter noch ein wenig höher gelegen als der unter Radfahrern legendäre Passo del Stelvio. Im Gegensatz zu Europa startet aber in Colorado bereits auf 1800 M.ü.M. 
Unser heutiges Etappenziel hiess Lake George, mehr ein Weiler als ein Dorf. Aber das wichtigste für uns - es gab ein Motel und etwas ausserhalb eine Anlage mit Cabins wo wir auch übernachteten. Das obligate Gewitter kam erst am Abend, als wir bereits am Nachtessen sassen.

20. Juli, Lake George - Buena Vista, 90 Km 

Wiederum recht früh war auch heute Tagwache, denn es standen sogar zwei Pässe auf dem Programm. Weil aber Lake George auf über 2500 Meter liegt waren insgesamt weniger Höhenmeter zu überwinden als gestern. Dass es aber trotzdem nicht allzu leicht wurde dafür sorgte ein starker Gegenwind. (Wie sagte mal ein Radfahrer: der Wind kommt immer von vorn!). Die lange Abfahrt vom Trout Creek Pass war ein grosses Vergnügen, ebenso wie der Blick auf die schneebedeckten Gipfel der 14'000-er (Fuss nicht etwa Meter!). Wir wussten nun warum unser Etappenort den Namen Buena Vista erhielt.

21. Juli, Buena Vista - Saguache, 104 Km 

Frühmorgens präsentierte sich die Kleinstadt mit klarem Himmel aber kühl. Gleich zu Beginn wurde die gestrige Aussage revidiert - wir hatten sogar leichten Rückenwind, der allerdings nicht lange anhielt. Auf der Abfahrt vom Poncha Pass bliess uns der Gegenwind ins Gesicht, dass wir kaum über die Geschwindigkeit von 30 Km/h kamen. Kurz bevor wir Villa Grove erreichten entleerte sich genau vor uns ein Gewitter. Wir machten eine Pause und nach ca einer halben Stunde hatte der Wind das Gewitter gegen Osten getrieben. Trocken erreichten wir unser Etappenziel Saguache. Diese Kleinstadt hatte etwas geisterhaftes an sich, viele Gebäude waren unbewohnt und verriegelt. So auch das Hotel wo wir übernachten wollten. Das Motel mit dem "No Vacancy-Schild" hatte schliesslich doch noch "Vacancy". Nach Monte Vista war es uns zu weit und zudem braute sich wieder ein Gewitter zusammen.

22. Juli, Saguache - South Fork, 85 Km 

Es war wolkenloser Himmel als wir die Geisterstadt Saguache verliessen. Fast 40 Km führte die Strasse schnurgerade nach Süden. In Monte Vista drehte die Strasse dann gegen Osten. Wie der Name schon sagt ist South Fork mit den wenigen Motels mehr eine Gabelung als ein Dorf. Aber ideal für uns zum Übernachten bevor es dann morgen über den ersten 10'000-er geht. Ein unangenehmer und heftiger Wind wirbelte viel Staub auf, dass wir es vorzogen im Zimmer und im Restaurant zu bleiben. Auch heute wieder assen wir in einem Mexikanischen Restaurant, die Gerichte sind gut gewürzt und entsprechen unsrem Geschmak.

23. Juli, South Fork - Pagosa Springs, 71 Km 

Auch heute war es am frühen Morgen zwar schön aber bissig kalt, deshalb fuhren wir sogar in langen Hosen. Die eigentliche Steigung zum Wolf Creek Pass begann ca. 15 Km nach South Fork. Erst die letzten 5-6 Km der 16 Km langen Steigung wurden etwas anstrengender. Die Strecke führte meistens durch bewaldetes Gebiet. Weil die Strasse aber breit angelegt war, fuhr man nur selten im Schatten. In den Schattenhängen des 3300 Meter hohen Passes lag noch Schnee. Zur rasanten Abfahrt musste man sich etwas wärmer anziehen. Je mehr wir uns Pagosa Springs näherten umso stärker blies der Gegenwind. Im sehr touristisch wirkenden Ort hatten wir noch genügend Zeit uns umzusehen. In einem chinesischen Restaurant verpflegten wir uns gut und ausgiebig.

24. Juli, Pagosa Springs - Durango, 100 Km 

Das heutige Etappenziel hiess Durango. Kurz nach dem Ortsende stieg es leicht an. Sofort erreichten wir somit unsere Betriebstemperatur. Nach einer kurzen Abfahrt begann der Aufstieg zum Yellow Jacket Pass. Wir hatten unsere Freude an diesem Pass. Einerseits weil wir beide in einer gelben Windjacke fuhren und anererseits weil es angenehm bergan ging. Der schlimme Teil der Etappe hatten wir noch vor uns. Es folgte ein ständiges Auf und Ab bei starkem und lästigem Gegenwind. Sogar bei leichten Abfahrten musste man kräftig in die Pedalen treten um nicht stehen zu bleiben. Nach genau 100 Km erreichten wir Durango. Wir waren so fertig, dass wir gleich im ersten Motel abstiegen. Der Preis von $112.- war uns ziemlich egal, obwohl er weit jenseits unserer Vorstellung lag. Gleich nach der Ankunft leisteten wir uns auch ein Bier ( genau genommen waren es zwei ). Unsere Reserven füllten wir später in einem italienischen Restaurant in der Nähe des Bahnhofes wieder auf. Zum Abschluss des ziemlich anstrengenden Tages verweilten wir bei einigen Biers in einer der nostalgischen Bars, welche an die Zeit des Gold- und Silberbooms erinnert.

25. + 26. Juli, Durango

Nach sechs Tagen auf dem Velo gönnten wir uns wieder einmal eine Pause. Am gestrigen Ruhetag erledigten wir einen ersten Schub von Kartengrüssen. Für den heutigen zweiten hatten wir einen Ausflug zum Mesa Verde National Park gebucht. Vor etwas mehr als 100 Jahren entdeckte man in diesem Gebiet bereits verlassene Felswohnungen von Indianern. Man rätselt noch heute was die Indianer veranlasste die Siedlung nach fast 700 Jahren zu verlassen.

27. Juli, Durango - Silverton, 80 Km 

Auf der heutigen Etappe standen wieder zwei Pässe auf dem Programm. Von knapp 2000 Metern in Durango gings auf 3300 M über den Coal Bank und Molas Pass. Die beiden Ruhetage hatten uns offentsichtlich nicht so gut getan, denn ziemlich gezeichnet erreichten wir die Passhöhe. Die Abfahrt nach Silverton war leider nur von kurzer Dauer. Der Ort ist tagsüber voller Touristen. Die meisten von ihnen fahren mit dem alten von einer Dampflock gezogenen Zug von Durango über die Berge in die alte Silberstadt und am Abend wieder zurück. Die kleine Stadt wirkt abends ziemlich ausgestorben und man kann sich kaum vorstellen dass zur Blütezeit bis 50'000 Menschen die Stadt bevölkerten.

28. Juli, Silverton - Montrose, 100 Km 

Ein ausgiebiges Frühstück gab uns die notwendigen Kalorien um über den ersten 11'000-er zu kommen. Die Strasse zum Red Mountainn Pass hatte keinen Seitenstreifen und war recht schmal. Manchmal gings rechts von uns steil hinunter und dies alles ohne Leitplancken. Weil sich der Verkehr in Grenzen hielt war dies aber kein Problem. Die Landschaft änderte sich markant während der steilen Abfahrt zwischen schroffen Bergen nach Ouray. Darnach wurde es immer offener. Auch die Temperatur hatte sich geändert. Es wurde umso wärmer wie mehr wir uns dem Tagesziel näherten. Mit ausgetrockneter Kehle erreichten wir unseren Etappenort Montrose. Das Thermometer zeigte hier +36 Grad. Am Abend als wir um acht vom Nachtessen kamen waren es noch immer 30 Grad. Weil es aber in den USA in jedem Motelzimmer eine Klimaanlage gibt schliefen wir trotzdem sehr gut.

29. Juli, Montrose - Paonia, 85 Km 

Auf dem Highway 50 gings nach Delta. Nach einem kurzen Verpflegungsstopp am samstäglichen Ortsmarkt spulten wir auf dem wenig befahrenen Highway 92 Paonia entgegen. Die Landschaft wurde immer trockener, manchmal erinnerte sie mich ans Death Valley. Etwas vor dem eigentlichen Ort stiegen wir in einem angenehmen Motel ab. Das kühle Bier an der Bar, wir fuhren extra in den Ort, hatten wir redlich verdient!

30. Juli, Paonia - Carbondale, 100 Km 

Schon am Morgen bliess uns bis zum Paonia Dam ein lästiger Gegenwind ins Gesicht. Hier begann die Steigung zum Mc Clure Pass, den wir beide unterschätzten. Nach den 10'000 und sogar 11'000-er dachten wir die 8755 ft locker überwinden zu können. Aber der morgendliche Gegenwind und das ständige Auf und Ab hinterliess Spuren. Die 10 Km lange Schlusssteigung war vermutlich steiler als einige Pässe zuvor. Die anschliessende fast 40 Km lange Abfahrt bis nach Carbondale entschädigte uns für die Anstrengungen.

31. Juli, Carbondale - Aspen, 52 Km 

Es lohnte sich heute kaum aufs Rad zu steigen. Nach 50 Kilometern erreichten wir bereits Aspen. Mit einer gleichmässigen Steigung aber auf einer verkehrsreichen Strasse ohne Seitenstreifen gings zum Nobelort in den Rocky Mountains. Es war geplant hier zwei Tage Halt zu machen. Der Ort erinnert einen Schweizer stark an St. Moritz. Dies ist auch an den Preisen für eine Unterkunft zu spüren. Weil auch zu dieser Zeit viele Amerikaner Ferien machen sind günstige Übernachtungsmöglichkeiten meist schon ausgebucht. Das günstigte was wir noch kriegen konnten war eine zwar sehr schöne 1 Zimmerwohnung, die aber mit $140.- auch ihren Preis hatte. Den Nachmittag konnten wir dazu verwenden den trotz des Rummels angenehmen Ort näher zu erkunden. Das schöne ideale Wetter hatte einen nicht unerheblichen Einfluss auf unsere gute Ferienstimmung.

1. August, Aspen

Am heutigen Schweizer Nationalfeiertag, in Aspen war davon aber nichts spüren, fuhren wir mit der Gondelbahn auf den 3400 Meter hohen Hausberg. Eine gewaltige Aussicht bei wiederum schönstem Wetter erwartete uns auf dem Gipfel. Den Tag liessen wir in einem der guten italienischen Restaurants ausklingen. Für den morgigen Tag mussten wir unbedingt unseren Kohlehydratspeicher wieder auffüllen.

2. August, Aspen - Leadville, 97 Km 

Um sieben Uhr früh sassen wir in einem Cafe an der Main Street bereits am Frühstück. Es war noch recht kühl, trotz der Sonne am wolkenlosen Himmel als wir in Richtung Independence Pass losfuhren. Kurz ausserhalb Aspen begann die Steigung. Bei mässigem Verkehr, zunächst im Wald an einem Fluss entlang, erreichten wir nach ca. drei Stunden die Passhöhe auf 12095 ft. Einzig die beiden letzen Kilometer wiesen etwas mehr Steigungsprozente auf. Die Amerikanischen Touristen auf der Passhöhe bestaunten uns "Spinner" aus Europa, einige wollten uns sogar fotografieren. Auch wir schossen noch ein Foto fürs Familienalbum bevor wir bei anfangs kühlen Temperaturen zu Tal sausten. Die beinahe 30 Km lange Abfahrt entschädigte uns für den mehrstündigen Aufstieg. Ab den Twin Lakes bis Leadville hatten wir kräftigen Wind, wie immer beim Radfahren natürlich von vorn. Die alte Goldgräberstadt liegt auf einer Höhe von über 3000 Metern. Anschliessend zur wohlverdienten warmen Dusche genossen wir in einer alten, mit allerlei Gegenständen aus besseren Zeiten geschmückten Bar das obligate Bier. Nach dem chinesischen Nachtessen besuchten wir das Theater im Opera House, das wie auch die Bar vom Nachmittag seine ruhmreiche Zeit wohl hinter sich hat. 

3. August, Leadville - Dillon, 62 Km 

Heute stand uns eine relativ kurze Etappe bevor, das war auch der Grund, dass wir unüblich erst um acht beim Frühstück sassen. Ausserhalb Leadville stieg die Strasse zunächst nur leicht an. Es folgte eine kurze Abfahrt ehe die 21 Km lange Steigung zum Fremont Pass begann. Oben auf dem Berg auf fast 3500 Meter ü.M. wird Molybdän abgebaut und dies beeinflusst die Landschaft beträchtlich. Mit einer rasanten Abfahrt erreicht man Copper Mountain, eine der neu erstellten Skistationen. Hier erreicht die Passstrasse die Interstate I-70. Über einen Radweg gelangten wir nach Frisco und später nach Dillon. Im City Market in der nähe des Motels, gerade noch vor dem heftigen Gewitter, kauften wir die Zutaten für die Mega-Sandwiches. Das Dinner war auch gesichert, entdeckten wir doch in der Nähe des Motels einen Pizza Hut.

4. August, Dillon - Idaho Springs, 74 Km 

Vom gestrigen Abendgewitter war nichts mehr zu sehen. In allen Richtungen war es klar, kaum ein Wölkchen war zu auszumachen. Eine kleine Steigung zu Beginn brachte uns auf die erforderliche Betriebstemperatur. Die eigentliche Steigung zum Loveland Pass begann nach Keystone. Nach ca 15 Km erreichten wir die Passhöhe auf beinahe 12'000 Fuss. Der bisher zweithöchste Pass für uns liegt in einem hochalpinen Gelände. Die ersten Kilometer der Abfahrt waren verhältnismässig steil. Die Strasse mündete wieder in die Interstate I-70, aber diesmal gabs keinen Radweg mehr. Auf der frisch geteerten Strasse gings im hohen Tempo bergab bis Georgetown. Wir überholten (rechts auf dem Fahrstreifen) sogar grosse Lastwagen, die wegen ihrer schweren Ladung wohl nicht zu schnell zu Tal fahren konnten. Für die letzten 15 Km der Etappe wechselten wir auf eine Nebenstrasse und erreichten unser Ziel Idaho Springs als gerade ein paar Tropfen vom Himmel fielen. Wir hatten viel Zeit uns zu stärken und die alte Silberstadt zu erkunden. Am Abend verschlangen wird ein grosses Stück Büffelfleisch, wir wollten mit aufgefüllten Reserven die morgige Königsetappe in Angriff nehmen können!

5. August, Idaho Springs - Mt. Evans, 90 Km 

Heute stand also die grosse Herausforderung auf dem Programm. Das Ziel hiess Mt. Evans! Die Strasse zum Gipfel bringt uns auf 14'264 Fuss oder 4348 M.ü.M. - noch nie waren wir so hoch, schon gar nicht mit dem Fahrrad. Mit einem kräftigen Frühstück im Bauch, warmen Kleidern im leichten Gepäck und genügend Flüssigkeit in den Trinkflaschen steuerten wir dem Highway 103 entgegen. Die Strasse stieg sofort wenn auch sehr angenehm an. Nach ca 20 Km erreichten wir den Echo Lake der bereits auf 10'500 Fuss liegt. Der Highway 5 führt nun zum Gipfel. Langsam erreicht man die Baumgrenze, das Gelände wird offener weshalb man mehr dem Wind ausgesetzt ist. Auch deswegen und wegen der zunehmenden Höhe wurde es immer kühler. Den Gipfel sieht man das erstemal ca 15 Km vor dem Ziel. Wir hielten zweimal kurz an, einerseits um ein paar Guetzli zu essen und andererseits um uns etwas an die Höhe zu gewöhnen. Nach ca 4 1/2 Stunden und 45 Km hatten wir es geschafft! Während der letzten Km vor dem Gipfel wird man von entgegenkommenden Radfahrern, die es bereits geschafft haben und von Autofahrern aus beiden Richtungen immer wieder angefeuert. Man muss zwar noch selber in die Pedalen treten aber die Zurufe sind  motivierend. Oben auf dem Berg war es um die 0 Grad, der Niederschlag aus der Gewitterwolke kam in Form von Graupelschauer zu Boden. Wir machten ein paar Fotos und fuhren wieder zu Tal. Es war wieder ein Gewitter im Anzug weshalb wir im Restaurant beim Echo Lake stoppten und eine heisse Suppe und ein Stück Kuchen verschlangen. Nach knapp einer Stunde war die Strasse wieder trocken. Bei Sonnenschein sausten wir Idaho Springs entgegen. Trocken, stolz und nicht mal sonderlich müde erreichten wir die Unterkunft. Das riesige Steak und den Pitcher Bier am Abend hatten wir reichlich verdient!

6. August, Idaho Springs - Winter Park, 60 Km 

Wir spürten die Königsetappe von gestern kaum in unseren Muskeln. Mitlerweile hatten wir uns an die täglichen Bergfahrten gewöhnt. Auf der gleichen Strasse wie vor zwei Tagen, aber diesmal in der andern Richtung verliessen wir Idaho Springs. Wir folgten dem Highway 40 und erreichten nach ca 3 Stunden den Berthoud Pass. Die flotte Abfahrt endete in Winter Park, ebenfalls eine gute Adresse für Wintersport. Aber auch im Sommer scheint der Ort gut besucht zu sein. Auf der Suche nach einem Motelzimmer entdeckten wir das Lucerne Chalet, von einem Schweizer geführt. Dem Wurstsalat konnten wir beim anschliessenden Besuch nicht widerstehen, ebenso wenig der Pizza im Pizza Hut am Abend!

7. August, Winter Park - Grand Lake, 56 Km 

Zur Abwechslung stand heute mal eine kurze Etappe auf dem Programm. Zu beginn gings leicht bergab, anschliessend folgten ein paar kleine Steigungen. Bis Granby fuhren wir auf dem Highway 40, dann auf dem Highway 34 zunächst dem Lake Granby, dann dem Shadow Mountain Lake entlang nach Grand Lake, unserem heutigen Etappenort. Dank Happy Hour in der Wildwestbar kamen wir zu einem Bier für 1 Dollar, für beide Gläser wohlgemerkt! Weil morgen die Trail Ridge Road auf dem Programm steht suchten wir nach einem Lokal mit Pasta auf der Speisekarte. Das Essen war gut, war aber nicht mit jenem in den Restaurants in Durango oder Aspen zu vergleichen.

8. August, Grand Lake - Estes Park, 80 Km 

Wieder einmal etwas früher als gewöhnlich gingen wir frühstücken. Noch vor acht Uhr verliessen wir Grand Lake auf dem Highway 34 in nördlicher Richtung. Während der ersten 20 Km gings leicht auf und ab. Es war recht kühl, wohl auch deshalb weil die Strasse oft durch Wald führte. Als die eigentliche Steigung begann wurde uns automatisch wärmer, zudem stand nun auch die Sonne höher was für zusätzliche Erwärmung sorgte. Nach knapp 30 Km waren wir auf dem Milner Pass. Ca 6 Km weiter passierten wird den Fall River Pass, welcher 1000 Fuss höher ist. Eine eigentliche Abfahrt liegt aber nicht dazwischen. Über der Baumgrenze hatten wir mit einem orkanartigen Wind zu kämpfen, der uns manchmal fast vom Rad blies. Wir mussten uns so stark auf die Strasse konzentrieren, dass wir den Trail Ridge Point wie auch den Iceberg Pass gar nicht wahrnahmen. Erst als wir uns auf der Abfahrt befanden besserten sich die Verhältnisse. Die fast 40 Km lange Abfahrt konnten wir nun voll geniessen. Estes Park, unser heutiges Etappenziel besteht praktisch nur aus Souvenir Shops, Motels und einigen Restaurants. Am besten gefiel mir der Christmas Shop mit all dem Zubehör für einen kitschigen Weihnachtsbaum und dies mitten im Hochsommer. Wie sagt man doch: andere Länder andere Sitten. 

9. August, Estes Park - Boulder, 60 Km 

Nur eine kurze Etappe nach Boulder stand uns heute bevor. Deshalb liessen wir es sehr gemütlich angehen und sassen erst nach neun Uhr auf dem Rad. Einer ca 4 Km langen Steigung folgte eine 25 Km lange Abfahrt, die nur in Pinewood Springs durch zwei kleine Gegensteigungen unterbrochen wurde. In Lyons änderte das Landschaftsbild drastisch. In Fahrtrichtung rechts, d.h. westlich von uns erhoben sich die Rocky Mountains, links oder östlich breitete sich eine riesige Ebene aus, ohne Bäume und Wälder, welche die letzten Wochen das Landschaftsbild prägten. Entlang der Rockies gelangten wir um die Mittagszeit nach Boulder, wo wir für ein paar Tage ausspannen wollen. 

10. - 12. August, Boulder

Die Tage in Boulder verbrachten wir mehrheitlich mit shopping, gutem Essen und gelegentlichen Ausfahrten. So auch am Samstag als wir nach Longmont an eine Landwirtschaftsaustellung fuhren. Die lokalen Produkte, die Austellung alter Landwirtschaftsfahrzeuge sowie das nachmittägliche Rodeo gehörten zu den Höhepunkten des Ausflugs. Wie schon die ganze Zeit in Boulder war es auch am Samstag sehr heiss, nicht zu vergleichen mit dem angenehmen Klima in den Rockies.
Der Abschluss unseres Aufenthaltes in Boulder bestand aus einem feinen italienischen Essen, dazu eine Flasche Chianti und einem letzten Besuch in der Brauerei zu einem Schlummertrunk.

13. August, Boulder - Denver, 61 Km 

Die letzte Etappe bei heissem Wetter führte uns zurück zu unserem Ausgangspunkt, nach Denver. Unsere Einkäufe in Boulder bekamen wir heute zu spüren. Wir wussten kaum wo wir die Cowboystiefel, Jeans, Hemden, Pullover und T-Shirts unterbringen sollten. Aber irgendwo fanden sich Lücken wo man noch etwas verstauen konnte, der Rest wurde aufs Gepäck geschnallt. Wir versuchten so gut wie möglich dem Highway 36 und damit dem Verkehr auszuweichen. Um die Mittagszeit erreichten wir das Motel, an einer Ausfallstrasse zum Flughafen. Am Nachmittag machten wir unsere Fahrräder reisebereit, d.h. reinigen, Pedalen abmontieren, den Sattel tief stellen und den Lenker drehen. Wir hatten nicht vor anderntags zum Flugplatz zu fahren. Der Hotel-Van war gross genug um auch Fahrräder transportieren zu können.

14. August, Rückreise

ie 4 Wochen in den Rockies sind nun leider zu Ende. Die ganze Fahrt über knapp 2000 Km mit unzähligen Höhenmetern setzte sich aus täglichen Höhepunkten ohne Probleme und bei besten Wetterbedingungen zusammen. Die gute konditionelle Vorbereitung zu Hause zahlte sich aus. So wurden auch längere Fahrten über mehrere Pässe nie zu einem Problem. 
Wir beide äusserten schon bald den Wunsch die gleiche oder eine ähnliche Fahrt in den Rockies aber dann mit dem Rennrad irgend wann einmal zu unternehmen.

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